Sandra Füllsack, Geschäftsführerin motan holding gmbh und Vorsitzende des Fakuma-Ausstellerbeirats. (Bild: motan)

Der persönliche Kontakt ist nicht ersetzbar

Der persönliche Kontakt zu Kunden, Partnern und Interessierten auf Präsenzmessen ist nicht durch digitale Formate zu ersetzen. Dieses klare Statement von Sandra Füllsack, Geschäftsführerin der Motan Holding Gmbh in Konstanz, ist stellvertretendes Beispiel für viele Aussteller und Fachbesucher, die sich auf die Fakuma 2021 freuen.
 

Welchen Herausforderungen muss sich die Kunststoff verarbeitende Industrie aktuell und künftig stellen?

Nachdem in den letzten Jahren insbesondere die Digitalisierung im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand, hat die Diskussion um das Image des Kunststoffs an Bedeutung gewonnen. Energieeffizienz, die Verwendung von Rezyklat und die Kreislaufwirtschaft sind gepaart mit Fragen der Wirtschaftlichkeit und gestiegenen Ansprüchen an die Qualität.
 

Wie sehen Sie die deutschen Kunststoff verarbeitenden Unternehmen hinsichtlich Digitalisierung und Automatisierung aufgestellt?

Die deutsche Kunststoffbranche hat ihre Hausaufgaben gemacht und bietet heute schon viele Lösungsansätze im Bereich der Digitalisierung. Der Fachkräftemangel zwingt die Industrie zudem zu einer höheren Automatisierung im Bereich der Produktion. Allerdings sind die Potenziale der Digitalisierung noch lange nicht ausgeschöpft. Wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung, die sicher noch Jahre andauern wird. Dazu besteht Nachholbedarf im Bereich der Infrastruktur und der Standardisierung von Schnittstellen. Deutschland muss in diesem Bereich weiter zulegen, um sich hier nicht überholen zu lassen von anderen Regionen, die ebenfalls hochtechnologisiert oder sehr ambitioniert sind. Dort werden beispielsweise standardisierte Schnittstellen zur Kommunikation oder Klimaschutzziele hinsichtlich CO2-Fußabdruck bereits von den Regierungen vorgegeben (Beispiel IE3), dies beschleunigt nochmals zusätzlich in der Produktentwicklung hinsichtlich Automatisierung und Digitalisierung in diesen Regionen.
 

Die Branche befasst sich intensiv mit dem Wandel von der linearen zur Kreislaufwirtschaft. Wie weit sind wir hier?

Grundsätzlich besteht Einigkeit darüber, wohin die Reise gehen muss. Erste Lösungen wurden bereits erarbeitet und sind in Betrieb, aber das Potenzial der Kreislaufwirtschaft ist bei weitem noch nicht ausgereizt. Synergieeffekte durch andere Trends werden noch nicht ganzheitlich und vollumfänglich genutzt bzw. stecken noch in den Kinderschuhen – wie Digitalisierung, alternative Materialien oder Verfahren, erneuerbare Energien. Wichtig für den Erfolg ist, dass alle Akteure zusammenarbeiten und der Fahrplan auch mit der Politik abgestimmt ist.
 

Kunststoffe sind in jedem Bereich allgegenwärtig – und oft mit keinem guten Image behaftet. Wie können wir Ihrer Meinung nach das Ansehen von Kunststoff heben?

Wichtig ist die Aufklärung, wann Kunststoff in seiner Verwendung gut und notwendig ist, zum Beispiel in der Medizin, und wo es nicht zwingend notwendig ist, Kunststoff einzusetzen, Stichwort Einwegkunststoffe. Parallel dazu sollte die Kreislaufwirtschaft vorangetrieben werden, um Kunststoff möglichst lange zu nutzen. Aber auch die Aufklärung über Recycling ist wichtig, denn nur wenn Kunststoffe im Kreislauf bleiben, können sie wiederverwendet werden und jedermann kann seinen Beitrag leisten.
 

Wie wichtig ist es für Sie persönlich bzw. für Ihr Unternehmen, auf Fachmessen Präsenz zu zeigen und sich persönlich mit den Kunden austauschen – konkret zur Fakuma 2021?

Eine digitale Messe ist zwar in den Aspekten Zeitaufwand, Kosten und Energieverbrauch (Reisen, Messestand) sehr effizient und nachhaltig. Allerdings konnten wir mit unseren digitalen Messeteilnahmen auch feststellen, dass der persönliche Kontakt zu Kunden, Partnern und Interessierten auf Präsenzmessen nicht durch digitale Formate zu ersetzen ist. Diese Wichtigkeit des Kundenkontakts (nicht nur bei Messen) ist uns bewusst, und darauf möchten wir weiterhin bauen. Wir müssen uns aber parallel dazu auch Gedanken zu alternativen Formaten oder einer Kombination aus beiden machen, mit denen wir unsere Kunden und Interessierte zusätzlich erreichen können.
 

Mit welchem Produkthighlight kommen Sie zur Fakuma 2021 nach Friedrichshafen?

Unser Unternehmen zeigt im Herbst zur Fakuma mehrere Produkthighlights: Das MINICOLOR SG V – Volumetrisches Dosier- und Mischgerät mit neuer Steuerung, der Trockner mit neuer Steuerung und neuen Produktdesign LUXOR SG 50 mit Trockentrichter 150l, GRAVICOLOR 110 mit neuem Produktdesign und Optimierungen sowie der Moisture Minder für die Online Feuchtemessung.

„Kunststoffe sind zu wertvoll, um weggeworfen zu werden.“ Kunststoffe befinden sich in den unterschiedlichsten Anwendungen, seien es Haushaltswaren oder Verpackungen, dem Fahrzeug- und Flugzeugbau, in der Elektronik, in der Medizin oder im Bausektor. Kunststoffe sind nahezu unverzichtbar und tragen zugleich zur Ressourceneffizienz bei, indem sie etwa als Isolier- oder Leichtbauwerkstoff helfen, Heizöl und Treibstoffe zu sparen. (Bild: motan)