Round-Table-Diskussion „Die Stärken stärken – Wie festigt die europäische Kunststoffindustrie ihre Resilienz?“

Round Table zur Fakuma 2026: Starke Impulse für Zukunftsfähigkeit
Vernunft, Verstand, Kreativität, Innovation und noch mehr Mitwirkung – dieses Rezept für eine erfolgreiche wirtschaftliche Zukunft empfahl das Expertenteam, das am Nachmittag des zweiten Messetages am 13.10.2026 am „Round Table zur Fakuma“ miteinander diskutierte.
„Die Stärken stärken“ lautete das Motto der Diskussionsrunde unter der Leitung von Moderator Markus Lüling, Geschäftsführer Kunststoff-Profi Verlag und Chefredakteur des Fachmagazins K-PROFI und K-AKTUELL. Ziel war es, über ökonomische Randbedingungen, ökologische Notwendigkeiten und soziale Herausforderungen zu sprechen und kunststoffverarbeitenden Unternehmen Wege in eine erfolgreiche wirtschaftliche Zukunft aufzuzeigen.
Plattformen und Werkzeuge sinnvoll nutzen!
Die Stärken der europäischen Kunststoffindustrie sind offensichtlich und können sich sehen lassen, fasste die Expertenrunde zusammen: Die Aspekte Vielfalt, Technologie, Recycling sowie durchgängige Prozessketten seien allesamt längst hervorragend besetzt. Die Expertenrunde mit Eva Söhnlein, Geschäftsführerin der Geiger Gruppe, Dr. Johannes Kilian, Vice President Process and Application Technology bei Engel Austria, Günther Klammer, CTO bei der Next Generation Holding, sowie Michael Weigelt, Geschäftsführer TecPart – Verband Technische Kunststoff-Produkte – zeigte weitere Handlungsfelder auf: Eigene Stärken sollten unbedingt auch gezeigt und klar kommuniziert werden, zum Beispiel auf wirksamen Plattformen wie Messen, betonte Eva Söhnlein. Hinzu kommt, moderne KI-Tools als nützliches Werkzeug zu nutzen, um Prozessverbesserungen zu unterstützen und Komplexitäten zu bewältigen, hob Dr. Johannes Kilian hervor.
Handlungsspielräume weiten statt einengen!
Für mehr Resilienz und Effizienz sei es außerdem hilfreich, allzu enge Toleranzen und Überdimensionierungen zu überdenken. Die Unterstützung, das Expertenwissen und die Kontakte der Verbände sollten unbedingt mehr genutzt werden, unterstrich Michael Weigelt; wenn Unternehmen sich hier mehr und offensiv einbrächten, ließen sich bürokratische und normative Hürden eher senken. Es gelte, weitere Verordnungen und Richtlinien zu vermeiden, denn all diesen Hürden begrenzen Handlungsspielräume, gab Weigelt zu bedenken. Allerdings setzt dies voraus, dass Unternehmen alle vorhandenen Mitgestaltungsmöglichkeiten aktiv nutzen.
Handlungsfeld Recycling forcieren!
Auch wenn die Kunststoff-Recyclingquote insgesamt noch unter dem gewünschten Niveau liege, sei das Know-how, wie man mit Recycling und Recyclingmaterial umgehe, stetig und erfolgreich gestiegen, fasste die Runde zusammen. Allerdings ist zum einen das Recyclataufkommen noch relativ gering und die Produktherstellung aus Recyclat teuerer als die Fertigung aus unbearbeiteten Rohstoffen. Und zum anderen bestehen vielfach noch Vorbehalte gegenüber Recyclingprodukten hinsichtlich Qualität und Designaspekten. Doch das werde sich allmählich verbessern, zum Beispiel auch dadurch, Bauteile gezielt für Recyclate zu entwickeln.
Mehr Begeisterung für Kunststoff bitte!
Nicht zuletzt plädierten die Experten am Runden Tisch dafür, bei allen sich bietenden Gelegenheiten noch mehr Begeisterung für den Kunststoff und die Kunststoffindustrie zu entfachen. Das Nachwuchsproblem sowohl auf Facharbeiterebene als auch an den Universitäten bremst die Innovationskraft und ist deshalb ein dringendes Handlungsfeld. Wie die eigenen Stärken zu stärken seien, fasste Günther Klammer einleuchtend zusammen: “Drei V: Vernunft, Verstand und Kreativität – und dies jeder an seinem Platz!”
Moderation:

Dipl.-Ing. Markus Lüling, Geschäftsführer Kunststoff-Profi Verlag und Chefredakteur der Fachmagazine K-PROFI und K-AKTUELL
Die hochkarätigen Gäste der Diskussionsrunde sind:

Dr. Johannes Kilian, Vice President Process and Application Technology, ENGEL AUSTRIA
Sein Teaser:
Was reizt Sie am Podium mit Kunststoffverarbeitern, Recyclingtechnikern und Maschinenbauern?
Wenn man Neues machen will, braucht man dafür Verlässlichkeit und Vertrauen und muss hierfür Kooperationspartner finden. Dafür ist die Fakuma eine ideale Plattform.
Welche Voraussetzungen fehlen für einen echten Durchbruch der Kreislaufwirtschaft? Kann die Digitalisierung retten, was im Analogen nicht funktioniert?
Die Digitalisierung macht eine echte Kreislaufwirtschaft überhaupt erst möglich, denn durch sie kann der Abfallbegriff abgeschafft werden, da so sowohl die Zusammensetzung als auch der Verbleib von Materialien jederzeit nachvollziehbar sind. Daher ist es nur eine Frage der Zeit, wann sich die Kreislaufwirtschaft durchsetzen wird.

Dipl.-Ing. Günther Klammer, CTO, Next Generation Holding
Sein Teaser:
Was reizt Sie am Podium mit Kreislaufwissenschaftlern, Kunststoffverarbeitern und Maschinenbauern?
Es gibt zu viele Insellösungen. Die Schnittstellenprobleme sind daher häufig problematischer als die Bearbeitung der eigentlichen Aufgabe. Das verkompliziert die praktische Umsetzung digitaler Prozesse. Eine übergreifende Standardisierung über alle an der Kunststoffverarbeitung beteiligten Branchen ist hier zwingend notwendig.
Welche konkreten Erkenntnisse aus Produktionsdaten unterstützen Wirtschaftlichkeit und Effizienz in der Kunststoffverarbeitung am meisten?
Die Digitalisierung bietet die Chance das Große und Ganze zu strukturieren und zu ordnen, also Daten greifbar zu machen, wenn wir Menschen dazu kognitiv nicht mehr in der Lage sind. Das ist notwendig, um komplexe, immer wiederkehrende aber auch sehr schnell ablaufende Prozesse detailliert zu erfassen – oder auch um zu Prozesse zu simulieren. Die Digitalisierung in der Produktion bietet also Freiräume für die Kreativität des Menschen und ermöglicht es ihm zudem gefahrlos an Grenzen zu gehen und verschiedene Szenarien durchzuspielen. Das ist großartig!

Eva Söhnlein, Geschäftsführerin, Geiger Gruppe
Sein Teaser:
Was reizt Sie am Podium mit Wissenschaftlern, Recyclingtechnikern und Kunststoffverarbeitern?
Die Fakuma als hochgeschätzte „Arbeitsmesse“ bietet das perfekte Forum, um das Schlüsselthema Digitalisierung mit Experten unterschiedlicher Bereiche intensiv und praxisnah zu diskutieren. Hier können wir übergreifend alle Aspekte beleuchten, Erfahrungen austauschen, Kompetenzen bündeln, Impulse erzeugen und neue Ideen gewinnen.
Was ist für Sie das größte ungenutzte Potenzial der Digitalisierung für Kunststoffverarbeiter?
Kunststoffverarbeiter können mit digital vernetzten Maschinen und Anlagen wertvolle Zeit und bares Geld sparen – indem sie z.B. „smarte“ Steuerungsfunktionen, Cloud-Anwendungen und KI-Tools nutzen. Im Hinblick auf den Fachkräftemangel und immer komplexere Anwendungen ermöglichen diese ein einfaches und sicheres Bedienen der Anlagen und eine hohe Prozessstabilität, z.B. bei der Rezyklatverarbeitung. Wichtig ist nicht, möglichst viele Daten zu sammeln, sondern genau diejenigen, die den eigenen Spritzgießbetrieb effizienter und damit nachhaltig erfolgreich und zukunftsfähig machen.

Michael Weigelt, Geschäftsführer, TecPart – Verband Technische Kunststoff-Produkte e.V.
Sein Teaser:
Was reizt Sie am Podium mit Wissenschaftlern, Recyclingtechnikern und Kunststoffverarbeitern?
Die Fakuma als hochgeschätzte „Arbeitsmesse“ bietet das perfekte Forum, um das Schlüsselthema Digitalisierung mit Experten unterschiedlicher Bereiche intensiv und praxisnah zu diskutieren. Hier können wir übergreifend alle Aspekte beleuchten, Erfahrungen austauschen, Kompetenzen bündeln, Impulse erzeugen und neue Ideen gewinnen.
Was ist für Sie das größte ungenutzte Potenzial der Digitalisierung für Kunststoffverarbeiter?
Kunststoffverarbeiter können mit digital vernetzten Maschinen und Anlagen wertvolle Zeit und bares Geld sparen – indem sie z.B. „smarte“ Steuerungsfunktionen, Cloud-Anwendungen und KI-Tools nutzen. Im Hinblick auf den Fachkräftemangel und immer komplexere Anwendungen ermöglichen diese ein einfaches und sicheres Bedienen der Anlagen und eine hohe Prozessstabilität, z.B. bei der Rezyklatverarbeitung. Wichtig ist nicht, möglichst viele Daten zu sammeln, sondern genau diejenigen, die den eigenen Spritzgießbetrieb effizienter und damit nachhaltig erfolgreich und zukunftsfähig machen.
Die kunststoffverarbeitende Industrie zählt in Deutschland sowie europaweit zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen. Die oft mittelständisch geprägten Unternehmen fertigen eine riesige Palette von Produkten für jegliche Branchen und Lebensbereiche. Doch es herrscht Krisenstimmung ob einer gesunkenen Produktion, hoher Energiekosten, gestörter Lieferketten, geopolitischer Krisen und einer beträchtlichen Abgabenlast. Der Druck, sich zur Kreislaufwirtschaft zu entwickeln ist enorm, doch die Transformation ist ins Stocken geraten.
Eine hochkarätig besetzte Expertenrunde will im Rahmen des „Round Table zur Fakuma“ diskutieren, welche Wege für die kunststoffverarbeitenden Unternehmen in eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft führen können – stabilere Kostenstrukturen, weniger Abhängigkeit von volatilen Rohölmärkten und ein konsequenter Umstieg auf Kreislaufwirtschaft zählen zu den Lösungen. Ökonomische Randbedingungen, ökologische Notwendigkeiten und soziale Herausforderungen sind miteinander in Einklang zu bringen. Die moderierte Diskussionsrunde spricht über konkrete Maßnahmen in Entwicklung, Produktion und Administration. Seien Sie herzlich dazu eingeladen, diesem spannenden Gespräch zu folgen!
Die Veranstaltung findet am
Dienstag, 13. Oktober 2026, 16.00 Uhr im Foyer Ost statt.
Dauer ca. 1 Std. mit anschließendem Get-together.


